Rheinhessen

Die Region ist nicht nur Deutschlands größtes Weinbaugebiet, sondern auch eine der mildesten und sonnenreichsten Regionen des Landes. Wie wäre es nach der virtuellen Rheinland-Pfalz-Messe mit einem Kurztrip nach Rheinhessen?

Rheinhessen hat gleich drei Hauptstädte: die rheinland-pfälzische Landeskapitale Mainz, die Nibelungen-Hauptstadt Worms und Deutschlands heimliche Weinhauptstadt Bingen. Die Fläche der von Weinbau geprägten Region erstreckt sich über ca. 1400 km2 im weiträumigen Dreieck zwischen den „Hauptstädten“. 

Mehr Weißwein geht nicht

Rheinhessen verfügt über 26.500 ha Rebfläche und ist vor der Pfalz (knapp 23.500 ha) das größte Weinbaugebiet der Republik. Kein Wunder, schließlich ist Rheinland-Pfalz mit fast 65.000 ha Weinland Nummer 1 und für mehr als 65% der in Deutschland hergestellten Weine verantwortlich. Mit knapp über 70% liegen die weißen Rebsorten in Rheinhessen vorne, allen voran Riesling, Müller-Thurgau und Silvaner. Älteste Weinlage nicht nur der Region, sondern ganz Deutschlands, ist die Niersteiner Glöck im Landkreis Mainz-Bingen, wie eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 742 belegt. Die berühmte Lage, auf der Riesling und Spätburgunder wachsen, ist gerade mal 2,1 ha groß. Machen Sie während Ihres Urlaubs in Rheinhessen eine Wanderung durch die Weinberge inklusive Weinprobe, besuchen Sie eines der zahlreichen Weinfeste im Sommer oder besichtigen Sie eines der Weingüter – es gibt in der Region über 2.500 Weinbaubetriebe! Genießen Sie die virtuelle Rheinland-Pfalz-Messe mit einem Glas Riesling aus Rheinhessen.

Auf den Spuren der Nibelungen in Worms

Sie kennen das Nibelungenlied, oder? Die alte germanische Heldensage um Liebe, Hass, Verrat und Mord mit den Protagonisten Siegfried, Xantener Thronfolger, der durch ein Bad in Drachenblut unverwundbar wurde, Königstochter Kriemhild, die am Hof zu Worms lebt und Brunhild, Königin aus Island. Das Epos, das um 1200 entstand, wurde 2009 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe ernannt. In Worms stoßen Sie immer wieder auf die Nibelungen. Am Nordportal des Doms sollen Brunhild und Kriemhild gestritten haben, auf der Westseite liegt der Siegfriedstein – der Sage nach soll Siegfried den tonnenschweren Kalksteinbrocken über den Dom geworfen haben. In der Fußgängerzone zeigt der moderne Nibelungenliedbrunnen Szenen aus der Sage, und 100 Meter südwestlich des Rathauses steht der Siegfriedbrunnen, ein Kuppelbau, auf dem „Siegfried der Drachentöter“ mit seinem Schwert steht. Nicht weit von der Nibelungenbrücke befindet sich das Hagendenkmal, eine überlebensgroße Bronzeplastik, die Hagen von Trontje zeigt, wie er den Schatz der Nibelungen in den Rhein schleudert. Sie werden in der Stadt auf weitere Spuren treffen, und wenn Sie die Sage nicht kennen oder sich nicht mehr genau daran erinnern, gehen Sie ins multimediale Nibelungenmuseum, das über den jahrhundertealten Mythos informiert und ihn interpretiert. Besuchen Sie die Nibelungenfestspiele, die jährlich im Juli/August auf einer Freiluftbühne vor dem Dom stattfinden.

Bingen am Rhein? Bingen am Wein!

Hier stoßen die Anbaugebiete Rheinhessen, Nahe, Rheingau und Mittelrhein aneinander. Über 70 Winzer bewirtschaften eine über 530 ha große Fläche. Kein Wunder gilt Bingen als Deutschlands heimliche Weinhauptstadt. Weinlagen wie Scharlachberg oder Rochusberg haben den Ort weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt gemacht. Bingen feiert mit dem elftägigen Binger Winzerfest im August/September eines der längsten deutschen Weinfeste.

Nicht nur als Weinmetropole ist Bingen bekannt, sondern auch Wirkstätte von Hildegard von Bingen (1098-1179). Die Äbtissin und Universalgelehrte, die das Benediktinerinnen-Kloster Rupertsberg gründete, war Prophetin, Theologin, Autorin, Heilkundige, Komponistin und gilt als erste Vertreterin der deutschen Mystik des Mittelalters. Hildegard, die schon zu Lebzeiten als Heilige galt, wurde offiziell erst 2012 von Papst Benedikt XVI. zur „Heiligen der Universalkirche“ erhoben. Entdecken Sie auf dem Hildegard Weg Stationen Ihres Lebens und Wirkens in Bingen. Im Museum am Strom, das sich in einem ehemaligen Elektrizitätswerk befindet, ist die Maschinenhalle aus dem späten 19. Jh. mit ihrer großen Empore dem Leben der Heiligen gewidmet. Auch die Heilige war einem Gläschen Wein nicht abgeneigt. Sie riet, bei körperlicher Schwäche im Sommer mit Wasser gemischten Wein zu trinken, weil das den Körper „mehr erquickt, wie wenn er Wasser trinkt“.

Mainz – jahrtausendealte Kultur und Lebensfreude

Goethe nannte Mainz vor 200 Jahren „eine schöne, weil alte Stadt, in der man allenthalben auf Spuren der Vergangenheit stößt“. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Das Zentrum wird von dem mächtigen romanischen Dom geprägt, der Touristenattraktion schlechthin. Es finden sich barocke Adelspaläste und gotische Kirchen, römische Denkmäler, zahlreiche Fachwerkhäuser, mittelalterliche Marktplätze und viele Sehenswürdigkeiten und Museen ringsum. Ein Goethe-Denkmal sucht man in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt allerdings vergebens, dafür steht Dichterkollege Schiller, der auf seiner Flucht aus Württemberg 1782 eine Nacht Station in Mainz machte, in Bronze gegossen auf einem Sockel auf dem Schillerplatz. Hingucker auf dem Platz ist der 9 m hohe Fastnachtbrunnen, der mit mehr als 200 bronzenen Figuren bestückt ist, die irgendetwas mit Narretei zu tun haben und zum Teil kräftige Fratzen schneiden. Das Denkmal soll die närrische Jahreszeit symbolisieren. Auf dem Schillerplatz wird jährlich am 11.11. um 11.11 Uhr die Mainzer Fastnacht eröffnet.

Wie überall in Rheinhessen spielt auch in Mainz Wein eine wichtige Rolle. Machen Sie den Mainzer Wein-Walk. Bei dem kulinarisch-kulturellen Stadtspaziergang durch die abendliche Stadt verkosten Sie auf unterschiedlichen Routen die Weine der Region. Besser kann ein Tag in Mainz nicht ausklingen!