Mittelrheintal

Mit seinen unzähligen Burgen, Weinbergen, malerischen Städtchen und urigen Dörfern gilt das international bekannteste deutsche Flusstal als Inbegriff der Rheinromantik. Bestimmt sehen Sie das Wahrzeichen des Mittelrheins, die Loreley, während der virtuellen Rheinland-Pfalz-Messe vor Ihrem geistigen Auge!

Schönste und romantischste Rheinstrecke ist das mit Burgen besetzte Obere Mittelrheintal, das „Tal der Loreley“. Auf den über 65 Flusskilometern zwischen dem Mäuseturm in Bingen und dem Deutschen Eck in Koblenz zeugen etwa 40 Burgen, Festungen und Schlösser von einer bedeutenden Geschichte. Zu den bekanntesten Orten neben Bingen und Koblenz zählen Sankt Goar am linken Rheinufer und die gegenüberliegende Schwesterstadt Sankt Goarshausen mit dem Loreleyfelsen, das historische Winzerdorf Bacharach und der vom Weinbau geprägte Luftkurort Boppard.

Die viel besungene Rheinromantik

Im späten 18./19. Jahrhundert bereisten Literaten, Komponisten und Maler das Obere Mittelrheintal und ließen sich von der Landschaft inspirieren. Die schroffen Felsen und die von Burgen gekrönten steilen, teils rebenbesetzten Hänge an beiden Ufern des majestätischen Flusses wurden zum ästhetischen Ideal und begründeten die Rheinromantik. Der englische Maler William Turner, der 1817 zum ersten Mal an den Mittelrhein reiste, verewigte das Flusstal auf 26 Aquarellen. Entdecken Sie die Malstandorte Turners auf der „William-Turner-Route“, wo kreisrunde Bronzeplatten auf den Ursprung dort entstandener Gemälde hinweisen.

Der Dichter Clemens Brentano schrieb 1800 die Ballade „Lore Lay“ und sein Kollege Heinrich Heine 24 Jahre später das Gedicht „Lied von der Loreley“ (Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin ...), das der Komponist Friedrich Silcher 1837 vertonte. Hören Sie sich das Lied während der virtuellen Rheinland-Pfalz-Messe auf YouTube an!

Robert Schumann komponierte 1850 seine 3. Sinfonie „Die Rheinische“ und der französische Schriftsteller Victor Hugo veröffentlichte 1840 seine „Rheinreise“. Über Oberwesel schrieb er: „Rheinaufwärts, eine Meile über St. Goar (...), bemerkt man plötzlich an dem Bogen zwischen zwei Bergen eine schöne altertümliche Stadt, von der Anhö̈he bis an das Flußufer reichend, mit alten Gassen, die wir in Paris nur auf den Dekorationen der Oper zu sehen bekommen, mit vierzehn Türmen mit Zinnen, mehr oder minder von Efeu umwachsen und mit zwei großen Kirchen aus der reinsten gotischen Zeit“.

Auch Queen Victoria von England war von der viel gepriesenen Rheinlandschaft fasziniert. Auf der Hochzeitsreise mit ihrem deutschen Gemahl, Prinz Albert von Sachsen-Coburg, fuhr sie im August 1845 auf einem Dampfer durchs Mittelrheintal. Die Königin war so hingerissen, dass sie den ganzen Tag auf dem Vorderdeck des Schiffes saß.

„Als eine Kulturlandschaft von großer Vielfalt und Schönheit“ wurde das Obere Mittelrheintal im Juni 2002 mit dem Titel UNESCO-Weltkulturerbe geadelt.

Die Sage von der Loreley

Clemens Brentano erfand die Figur der „Lore Lay“ Anfang des 19. Jh. für eine seiner Balladen. In dieser ist sie eine Zauberin aus Bacharach, deren Magie in ihrer Schönheit begründet liegt. Jeder Mann verliebt sich in sie und findet dadurch den Tod. Der Bischof will dem Spuk ein Ende setzen und lässt sie vor ein geistliches Gericht rufen. Aber auch er erliegt ihrem Bann: „Den Stab kann ich nicht brechen, du schöne Lore Lay! Ich müsste dann zerbrechen mein eigen Herz entzwei“, so der Bischof. Die junge Frau bittet jedoch darum, zum Tode verurteilt zu werden, da der Mann, den sie liebt, sie verlassen hat – da, wo der Zauberbann hätte wirken sollen, funktionierte er nicht. Lore Lay, nun des Lebens müde, fleht den Bischof an: „Drum lasst mein Recht mich finden, mich sterben wie ein Christ, denn alles muss verschwinden, weil er nicht bei mir ist“. Der Bischof verurteilt sie nicht zum Tode, sondern lässt sie von drei Rittern in ein Kloster bringen. Auf dem Weg dorthin will Lore Lay noch einmal das Schloss des Geliebten sehen, klettert auf einen Felsen über dem Rhein und stürzt hinunter. Die Ritter folgen ihr in den Tod.

Im Laufe des Jahrhunderts wurde aus der an Liebeskummer leidenden Lore Lay die sirenenhafte Gestalt Loreley, die auf dem nach ihr benannten Schieferfelsen an der tiefsten und engsten Stelle des Rheins sitzt, ihr goldenes Haar kämmt und durch ihren Gesang vorbeifahrende Schiffer ablenkt und ins Verderben stürzt.

Burgen im Mittelrheintal

Nirgendwo auf der Welt gibt es entlang einer Strecke so viele Burgen und Schlösser wie rechts und links des Rheinufers zwischen Bingen und Koblenz. Bestaunen Sie die faszinierenden Bauten während einer Burgenrundfahrt vom Wasser aus und erfahren Sie dabei Spannendes zu den historischen Gemäuern.

Über St. Goarshausen thronen die Burgen Katz und Maus. Die Katz wurde im 14. Jh. für die Grafen von Katzenelnbogen errichtet, die Maus, die in unmittelbarer Nähe etwas weiter flussabwärts hoch über dem Ortsteil Wellmich steht, zur etwa gleichen Zeit für den Erzbischof von Trier. Ihr ursprünglicher Name war St. Peterseck, die Grafen von Katzenelnbogen nannten die kleinere Burg der Legende nach jedoch spöttisch „Burg Maus“.  Im Volksmund hießen die beiden Burgen bald „Katz und Maus“.

Burgen im Mittelrheintal, die nie zerstört wurden, sind die Marksburg aus dem 12. Jh., die auf einem Schieferkegel über dem Ort Braubach thront, die Kurfürstliche Burg in Boppard, die Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung war sowie die Burg Pfalzgrafenstein, die auf einer Felsinsel im Rhein steht. Knapp 5 Kilometer flussabwärts thront über Oberwesel die Schönburg aus dem 12. Jh., heute eines der schönsten Burghotels des Landes. Verbringen Sie nach der virtuellen Rheinland-Pfalz Messe doch mal eine Nacht in einem der historischen Zimmer.

Schloss Stolzenfels (1842) im gleichnamigen Koblenzer Stadtteil gleicht mit seinen Türmen und Zinnen einem Märchenschloss und steht wie kein anderes für die Rheinromantik.