Industriedenkmal Jakob Bengel

Einst war Jakob Bengel einer der größten Modeschmuckproduzenten des Landes – heute ist die Fabrik im Originalzustand ein einzigartiges Denkmal, das den Anfang und das Ende einer Industrie zeigt. Erleben Sie nach dem Besuch durch die Hallen der virtuellen Rheinland-Pfalz-Messe reale Fabrikhallen in Idar-Oberstein!

Berühmt wurde die Firma als Modeschmuckfabrik, gegründet wurde sie im 19. Jh. allerdings als Uhrenkettenfabrik. Allen Edelsteinen in Idar Oberstein zum Trotz, verwandte man in der ersten Hälfte des 20. Jh. an Stelle von Schmucksteinen den halbsynthetischen Kunststoff Galalith. In den 1970er Jahren wurde die Produktion auf Schmuckketten aller Art umgestellt. Heute beherbergen die alten Fabrikationsräume ein Industriemuseum. Zu sehen sind neben Ausstellungen von Mode- und Art Déco Schmuck auch alte Maschinen, darunter 40 Kettenmaschinen, von denen die älteste über 100 Jahre alt ist.

Video: INDUSTRIEkultur LE II - ZEITREISE - inkl. Lost Places

Von den Uhrenketten zum führenden Hersteller von Modeschmuck

Der Schlossermeister Jakob Bengel gründete seine Firma 1873 und begann, Uhrenketten aus Eisen zu produzieren, die später verchromt und vernickelt wurden. Auf diese Weise ähnelten sie Silberketten, waren aber für einen Bruchteil des Preises einer Silberkette zu haben. Ein gewaltiger Bedarf in ganz Europa entstand, wobei Bengel einen besonderen Kontakt zu Frankreich pflegte. Als im frühen 20. Jahrhundert die Armbanduhr in Mode kam und Taschenuhren nicht mehr so gefragt waren, erweiterte die zweite Generation Bengel die Produktion durch Bijouteriewaren aus Eisen, Kupfer und Messing, die mit Achaten veredelt zum Schmuck des Bürgertums wurde. Ab Mitte der 1920er Jahre dominierten klare geometrische Linien, grobe Formen und leuchtende Farben. Dank des duroplastischen Casein-Kunststoffs Galalith waren alle Farbtöne möglich. Galalith entsteht, wenn das Milchprotein Casein mit Formaldehyd gemischt wird. Nach mehreren Stunden bildet sich der „Milchstein“, eine feste weiß glänzende Masse, der in der Schmuckbranche auch Kunsthorn genannt wird. Wie alle Proteine, lässt sich das Material in allen gewünschten Tönen färben. Das Material war dermaßen gefragt, dass bald 13% des Milchaufkommens in Deutschland in die Galalithproduktion floss.

Die Schmuckproduktion war so erfolgreich, dass das Unternehmen in den 1920er und 1930er Jahren zu einem der führenden Hersteller von Modeschmuck im Art Déco Stil avancierte. Die Bijouteriewaren wurden aus Idar- Oberstein in die ganze Welt exportiert. Auch Chanel gehörte zu den Kunden – Coco Chanel machte den unechten Schmuck 1928 salonfähig.

Die Ära des Galalithschmucks endete mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, da die Rüstungsindustrie den wandlungsfähigen Kunststoff benötigte. Nach dem Krieg gelang dem Galalith kein Revival mehr. Nun begann die Periode des billigen Eloxalschmuckes – Eloxal steht für „elektrolytisch oxidiertes Aluminium“.

In der Blütezeit der Modeschmuckindustrie waren im Unternehmen Jakob Bengel einschließlich der Heimarbeiter rund 5.000 Menschen beschäftigt. Die Produktion lief, bis in den 1990er Jahren der Markt für Modeschmuck plötzlich einbrach wie nie zuvor und sich nicht wieder erholte.

Lebendiges Archiv städtischer Industriegeschichte

Um die Gebäude, Maschinen, Werkzeuge und die historische Einrichtung für die Zukunft zu erhalten, wurde 2001 die Jakob-Bengel-Stiftung gegründet.

Das viergeschossiges Fabrikgebäude aus dem Jahr 1873 sowie sein Anbau, der 1900 entstand, sind seitdem ein offenes Kulturdenkmal. In der Maschinenhalle mit 40 teils vom Unternehmen selbstgebauten Kettenmaschinen haben Besucher das Gefühl, als wären die Maschinen erst vor wenigen Minuten ausgeschaltet worden. Im Prinzip funktionieren alle Maschinen noch. Auch die, die 100 Jahre alt sind. Man findet hier noch die oberen Transmissionswellen, mit denen die hier stehenden Maschinen über große Holzräder und Antriebsriemen angetrieben wurden. Zu bestaunen gibt es unterschiedliche Walzen, wovon die älteste aus dem Jahr 1910 stammt und noch funktionsfähig ist, sowie Ziehbänke, Ziehböcke und Schneidegeräte.

In Regalen entlang der Wände lagern über 450 gravierte Stempel sowie über 500 unterschiedliche Musterwalzen. Im Kontor zeugen umfangreiche Ordnerreihen in Regalen vom einstigen geschäftigen Treiben.

Erfahren Sie bei einem geführten Rundgang alles Wissenswerte zu den Maschinen, Werkzeugen und der Modeschmuckproduktion. Hören Sie Geschichten und Anekdoten und bestaunen Sie in der Dauerausstellung wunderschöne Art Déco Schmuckstücke.

Weitere Informationen auf www.jakob-bengel.de

Dienstleistung & Information

Energie

Energie

Essen & Trinken

Essen & Trinken

Garten & Pflanzen

Garten & Pflanzen