Hambacher Schloss

Das prächtige Schloss, das unübersehbar über dem Winzerort Hambach an der Weinstraße thront, wurde 1832 zur Wiege der deutschen Demokratie. Machen Sie nach Ihrem „Besuch“ der virtuellen Rheinland-Pfalz-Messe einen Ausflug dorthin!

Vom 27. Mai bis 1. Juni 1832 war die damalige Schlossruine Schauplatz einer gigantischen Protestveranstaltung mit rund 30.000 Teilnehmern, die für ein freies, demokratisches und geeintes Deutschland eintraten. Erstmals wurde hier die schwarz-rot-goldene Flagge gehisst. Doch wie kam es zu den Protesten? Dazu ist etwas Geschichte notwendig!

Das Hambacher Fest und seine Vorgeschichte

Im Zuge der französischen Revolutionskriege Ende des 18. Jahrhunderts und dem Sieg der napoleonischen Truppen wurden die Gebiete links des Rheins von französischen Truppen besetzt und über verschiedene Abkommen Teil der Französischen Republik. Darunter fiel auch die heutige Pfalz. Die französischen Herrscher waren bei den Pfälzern zwar nicht gerade beliebt, brachten in den Jahren zwischen 1801 und 1815 aber wichtige Neuerungen, darunter liberale Grundrechte und gesicherte Rechtsverhältnisse. Nach den Befreiungskriegen und dem Wiener Kongress ging die Pfalz 1816 an das Königreich Bayern. Innerhalb Bayerns genoss die Pfalz zunächst eine Sonderstellung, da die bayerische Regierung wesentliche Errungenschaften aus der Zeit der französischen Besatzung beibehielt. Andere wichtige Errungenschaften wurden jedoch zurückgenommen.

Die Unzufriedenheit der Pfälzer wuchs und wurde größer, als mit der französischen Julirevolution von 1830 der Funke des freiheitlichen Geistes auch auf andere europäische Länder übersprang und liberale Bewegungen stärkte. Das veranlasste die bayerischen Herrscher, Bürgerrechte und Pressefreiheit zunehmend einzuschränken. Unter Missachtung der Pfälzer Verfassungsrechte führten sie eine strenge Zensur ein und verboten politische Kundgebungen.

Als Reaktion auf die steigende Zahl von Druckverboten und Zensuren in Deutschland entstand Anfang 1832 der „Deutsche Vaterlandsverein zur Unterstützung der freien Presse“, dessen Initiatoren das Hambacher Fest organisierten. Offiziell als Volksfest, denn politische Demonstrationen waren von der bayerischen Regierung verboten worden.

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„Hinauf, hinauf zum Schloss!“

„Hinauf, Patrioten zum Schloss, zum Schloss“ war der Ruf, dem am 27. Mai 1832 fast 30.000 Menschen aus ganz Deutschland sowie aus Frankreich und Polen folgten, um ihre Forderungen nach nationaler Einheit und Freiheit zu bekunden. 

Überall auf dem Schloss wehte die schwarz-rot-goldene Fahne, die für Freiheit und Einheit der Nation stand. Schwarz stand für die schlechten Bedingungen, in denen die Menschen lebten, Rot für das Blut, das im Kampf vergossen wurde und Gold für die Freiheit, nach der sich die Menschen sehnten. Deutschland bestand damals aus einer Vielzahl von Fürstentümern, Grafschaften, Herzogtümern sowie unzähligen souveränen Staaten.

Schwarz-Rot-Gold wurde 1848 zur ersten deutschen Flagge und ist seit 1949 offizielle Bundesflagge. 

Nie zuvor in der deutschen Geschichte hatte es eine größere politische Versammlung gegeben. Akademiker, Studenten, Arbeiter, Bauern und Winzer strömten zum Schloss hinauf, auch Frauen waren unter den Teilnehmern. Die beiden Gründer des Deutschen Presse- und Vaterlandsverein, die Juristen und Publizisten Johann Georg August Wirth und Philipp Jakob Siebenpfeiffer, hatten auf Flugblättern und in Zeitungen die Hauptforderungen formuliert: Nationale Einheit in einem deutschen Verfassungsstaat mit Presse-, Meinungs-, Versammlungs- und Handelsfreiheit, eingebunden in ein republikanisches Europa. Sechs Tage lang wurden auf der Burg Reden gehalten, politisch debattiert und diskutiert. Die beiden Hauptakteure, Siebenpfeiffer und Wirth, denen nach dem „Fest“ staatsanwaltliche Verfolgung drohte, flohen in die Schweiz.

Schauen Sie sich im Schloss die spannende Ausstellung zur deutschen Demokratiegeschichte: „Hinauf, hinauf zum Schloss!“ an und nehmen Sie an der Themenführung „Auf Zeitreise mit den Freiheitskämpferinnen- und kämpfern von 1832“ teil.

Das Hambacher Schloss

Die Salierburg aus dem 11. Jahrhundert blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Sie war sowohl Schutz- als auch Raubritterburg, ging im 12. Jh. ans Bistum Speyer und war zeitweise Residenz zahlreicher Bischöfe. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde sie von den Franzosen niedergebrannt und blieb zunächst Ruine. Das Hambacher Fest 1832 bescherte der Burg deutschlandweite Berühmtheit. Nach dem „Fest“ galt die Bezeichnung „Hambacher“ lange Zeit als Schimpfwort. Die Eigentümer der Burgruine machten diese dem bayerischen Kronprinzen und späteren König Maximilian II. 1842 zum Hochzeitsgeschenk. Der Wiederaufbau der Burg, die nun Maxburg hieß, begann zwei Jahre später – es erfolgte keine Rekonstruktion des ursprünglichen Baus, sondern der Ausbau zu einem neugotischen Schloss. In den Revolutionsjahren 1848/49 kamen die Arbeiten jedoch zum Erliegen. Das Hambacher Schloss blieb über mehr als ein Jahrhundert eine offene Bauruine.

Das Schloss beim Neustadter Ortsteil Hambach wurde zwischen 1980 und 1982 zum 150-jährigen Jubiläum des Hambacher Festes fast vollständig restauriert. Bei seinem Deutschlandbesuch 1985 wählte der damalige amerikanische Präsident Ronald Reagan das Hambacher Schloss symbolisch für seine Rede an die Jugend der Welt.

Nähere Informationen auf www.hambacher-schloss.de

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